Grusswort


Liebe Leserinnen und Leser

Die Gefängnisseelsorge ist meines Erachtens eine wichtige Ergänzung, die es in jeder Institution des Justizvollzuges braucht. Wohin kann sich eine inhaftierte Person sonst wenden, wo sie ein Gegenüber findet, das sich Zeit nimmt, um mit ihr über ihre Sorgen zu sprechen und das sich zugleich an die Schweigepflicht hält?
Als Dozent für Gefängnisseelsorge im Schweizerischen Kompetenzzentrum für Justizvollzug (SKJV) stelle ich immer wieder fest, dass dem Personal nach einer Auseinandersetzung mit unseren Standards bewusst wird, wie wichtig der Beitrag der Seelsorge im System ist, auch wenn man sich selbst nicht als religiös bezeichnen würde.

Mit der Publikation dieser vom Umfang her bescheidenen, akademisch ausgerichteten Zeitschrift beleuchten wir aktuelle Themen rund um den Justizvollzug aus unserem Blickwinkel als Theologinnen und Theologen und leisten auf wissenschaftlicher Ebene unseren Beitrag. Deshalb diskutieren wir in dieser Nummer die Frage des «Assistierten Suizids». Karoline Iseli und Dr. des. Frank Stüfen machen eine übersichtliche Auslegeordnung der wichtigsten Fragestellungen und nehmen Stellung. Kurz nach Beendigung ihres Artikels wurden ein Rechtsgutachten der Universität Zürich und neue Richtlinien des SKJV veröffentlicht, so dass sich die Redaktion veranlasst sah, diese Publikationen gesondert in einem ergänzenden Artikel aufzunehmen. Auch der Artikel von Hubert Kössler zur Wahrnehmung ethischer Themen und zur Implementierung von Ethikstrukturen sowie der Beitrag von Dr. Andreas Stahl zur Traumasensiblen Seelsorge regen zum Nachdenken über die eigene Tätigkeit als Gefängnisseelsorgende an und geben interessierten Fachleuten aus anderen Disziplinen einen Einblick in unser Wirken.

Ich nutze die Gelegenheit, um zur Jahrestagung des Schweizerischen Vereins für Gefängnisseelsorge am Donnerstag, 5. März 2020 an der Universität in Bern einzuladen. Den thematischen Fokus legen wir auf die Änderungen im Ausländergesetz und die Folgen für die Gefängnisseelsorge. Zu diesem Teil sind auch andere Fachleute herzlich willkommen. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Webseite www.gefaengnisseelsorge.ch.

Ich bin überzeugt, dass Ihnen die Lektüre dieser Zeitschrift gefallen und zur kritischen Auseinandersetzung anregen wird.

Alfredo Díez, Präsident des Schweizerischen Vereins für Gefängnisseelsorge

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