Nr. 2

Das Redaktionsteam präsentiert mit grosser Freude die zweite Nummer der Zeitschrift Seelsorge & Strafvollzug und bedankt sich für alle Rückmeldungen, die ausnahmslos wertschätzend, kritisch-konstruktiv und motivierend für die Präsentation der vorliegenden zweiten Nummer waren. Diese Nummer befasst sich mit Grundhaltungen der christlichen Seelsorge im Rahmen der Gefängnisseelsorge. Es geht um Heilung für Täterinnen und Täter und für Opfer und um die Frage, wer alles Opfer ist, damit wirklich allen durch Straftaten betroffen Menschen die notwendige seelsorgliche Aufmerksamkeit zu Teil werden kann.

Im ersten Beitrag handelt es sich um einen Essay mit dem Titel «Barmherzigkeit – Der Versuch einer Begriffsbestimmung» von der Wiener katholischen Theologin Eva-Maria Schmidbaur. Sie ist Spitalseelsorgerin und promoviert im Bereich kategorialer Seelsorge. Für sie ist Barmherzigkeit biblischer Auftrag an alle Christinnen und Christen, ein fester Bestandteil christlich gelebter Nächstenliebe und unerlässlich besonders in der Gefängnisseelsorge.

Der zweite Artikel «Mose als Straftäter in der Begegnung mit Gott» von Antje Stüfen beschreibt die Beziehung, die Gott zu Mose hat in ihrer Ganzheitlichkeit. Mose kann nach der Tötung eines Ägypters als Straftäter gelten.

Dadurch, dass der Gott des Mose ein vergebender Gott sei und in Beziehung zu ihm stehe, werde Mose aus seiner Exklusion herausgeführt und ihm würden neue Lebensperspektiven eröffnet. Antje Stüfen ist evangelisch-lutherische Pfarrerin und arbeitete vor ihrer Zeit in einer Leipziger Innenstadtgemeinde zehn Jahre lang als Gefängnisseelsorgerin in der JVA Dresden. Sie ist Mitglied des Anstaltsbeirats der JVA Leipzig.

Im dritten Artikel dieser Zeitschrift unter der Überschrift «Opferorientierte Seelsorge als kirchliche und gesellschaftliche Notwendigkeit» beschreibt der Autor Dr. des. Frank Stüfen ein Konzept opferorientierter Seelsorge. Auch wenn diese Aufgabe bisher wenig von der Theologie wahrgenommen zu sein scheint, ist es vordringlich für die Gefängnisseelsorge, Seelsorge für Opfer in den Blick zu nehmen. Im Artikel plädiert Frank Stüfen dafür, die verschiedenen Opfergruppen in ihrer unterschiedlichen Bedürftigkeit wahrzunehmen und letztlich für alle da zu sein. Der Autor arbeitet als Gefängnisseelsorger der JVA Pöschwies und als Ausbildungsleiter für die gesamtschweizerische Gefängnisseelsorge an der Universität Bern. Im Juni 2019 schloss er erfolgreich sein Promotionsstudium mit einer Arbeit im Fachbereich der Gefängnisseelsorge an der Universität Bern ab.

Im vierten Artikel dieser Zeitschrift gibt Andreas Beerli einen kurzen Einblick in das 1. Forum Justizvollzug, das am 18. und 19. November 2018 vom Schweizerischen Kompetenzzentrum für den Justizvollzug in Fribourg durchgeführt wurde. Die Tagung stand unter dem Motto: «Standards aber wozu?» Andreas Beerli ist seit gut 20 Jahren als katholischer Seelsorger in verschiedenen Gefängnissen aktiv und leitet neben anderen seelsorglichen Aufgaben die römisch-katholische Gefängnisseelsorge im Kanton Zürich.

Diese Zeitschrift erscheint in Papierform. Wir haben als Mitbegründer die Domain www.seelsorgeundstrafvollzug.ch erworben. Dort wird die Zeitschrift auch online publiziert. Wir sind weiterhin auf Spenden angewiesen.

In diesem Zusammenhang bedanken wir uns herzlich bei der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich für die grosszügige Unterstützung zum Druck der Zeitschrift. Auch bei Leitung der JVA Pöschwies, wo die Ausgabe gedruckt wird, und beim Schweizerischen Verein für Gefängnisseelsorge bedanken wir uns für die Unterstützung.

Die Redaktion wünscht ein anregendes Leseerlebnis.

Freundlich grüsst
Christoph Rottler, Redaktion